Christina Kolbe

Mobbing am Arbeitsplatz

 

Was genau ist Mobbing?

Mobbing ist ein systematisches und überdauerndes Vorgehen einer oder mehrerer Personen gegen ein „Opfer“. Das Ziel der Aktionen ist die Schädigung des Opfers in wirtschaftlicher, psychischer und gelegentlich auch körperlicher Hinsicht.

Hierzu zählen:

Soziale Ausgrenzung:

  • Gespräche verstummen, wenn das Opfer den Raum betritt
  • gemeinsame Aktivitäten in Pause oder Freizeit werden ohne das Opfer abgehalten
  • Tuscheln, Bloßstellen
  • den Mund verbieten
  • Räumliche Isolation
  • Verleumdung
  • Herabwürdigung von Arbeitsleistung und Kompetenzen des Opfers
  • Informationen, die für die Tätigkeit benötigt werden, werden vorenthalten, Arbeit des Opfers wird manipuliert, verfälscht oder als eigene ausgegeben
  • Zuweisung von Tätigkeiten, die das Opfer nicht ohne Hilfe schaffen kann (zu viel Arbeit oder Tätigkeiten außerhalb der Arbeitsplatzbeschreibung)
  • Zuweisung von stupiden, unterfordernden Tätigkeiten
  • Übertreibung oder Generalisierung von Fehlern („immer“, „nie“)
  • tätigkeitsbezogene Entscheidungen des Opfers werden wiederholt ignoriert oder/und in Frage gestellt
  • Dauerkontrolle
  • Erfinden von Fehlverhalten
  • Abmahnungen
  • Ausweitung der Abwertungen ins Privatleben: Anonyme Anrufe, Textnachrichten, soziale Medien, abfällige Bemerkungen über Aussehen oder Kleidung, systematischer Rufmord, Verbreitung von Unwahrheiten, häufig unter Einbeziehung von Dritten.

Meist werden die Handlungen heimlich und nicht beweisbar getätigt.

Mobbing ist seit den 90er Jahren ein Modebegriff geworden. Sobald ein Konflikt auftritt, fällt dieser Ausdruck häufiger. Doch bei Konflikten und Uneinigkeiten von Mobbing zu sprechen, ist im Grunde nicht korrekt.

Mobbing ist von Konflikten klar abzugrenzen durch:
  • Die Absicht, dem Opfer psychisch, physisch oder materiell zu schaden. Materieller Schaden beinhaltet auch das Bewegen zur Kündigung oder zur Versetzung
  • Die überdauernden, wiederholten Handlungen
  • Mangelnde Gesprächsbereitschaft und Einsicht seitens der Täter, die Taten werden von diesem innerlich gerechtfertigt, das Opfer habe es schließlich verdient oder man täte ihm einen Gefallen, da es auf der Stelle sowieso deplatziert sei
  • Mangel an Empathie, das Opfer ist „entmenschlicht“

Mobbing-Folgen

Die möglichen Folgen der überdauernden Mobbing-Handlungen sind für Betroffene oftmals existenziell. Die folgenden Auswirkungen können einzeln oder kombiniert erlebt werden:

  • Arbeitsfehler durch Anspannung und das Bedürfnis, keinerlei Anlass zu Beschwerden zu bieten
  • Abnahme des Selbstwertes
  • Gedankenkreisen, fortwährende mentale Beschäftigung mit den Problemen
  • Schuldgefühle
  • Abnahme sozialer Kontakte, negative Auswirkungen auf das familiäre Umfeld
  • Angst oder Überwindung arbeiten zu gehen
  • Schlafstörungen
  • Depression, Angststörung, Burnout, chronische psychische oder physische Erkrankungen
  • erhöhte Krankheitsrate
  • Arbeitsunfähigkeit oder Kündigung
  • Suizid

Es ist anzumerken, dass die Konsequenzen abhängig von der persönlichen Konstitution des Betroffenen sowie dessen Ressourcen sind, d.h. sie können, aber müssen nicht auftreten.

Mobbing – Ursachen

Die angenommenen Ursachen des Mobbings liegen zum einen in der betrieblichen Struktur der Organisation und zum anderen in der Psyche des Täters und auch mitunter des Gemobbten, oder aber in einer Mischung aller genannter Faktoren. Dennoch ist es wichtig anzumerken, dass Mobbing jeden und jederzeit betreffen kann, auch ohne, dass die folgenden Bedingungen zutreffen.
Die betriebliche Struktur der Organisation:
• Verteilungskämpfe um Positionen und Arbeitsmittel
• Strenge, hierarchische Strukturen
• „Neidkultur“
• Vorbilder in der Führung oder/und Führung, die Neid und Mobbing fördert und begünstigt oder ignoriert („Regelt Ihr das mal unter Euch“)
• Ungenügende Ausbildung
• Arbeitsüberlastung
• Unklare Zuständigkeiten

Die Psyche des Täters:

  • Mangelhaftes Selbstwertgefühl, Gefühl der Unzulänglichkeit
    • Machtstreben
    • Mangelnde Empathiefähigkeit
    • Konkurrenzdenken
    • Neid, der sich bis zum Hass steigert: das Opfer hat etwas (z.B. Kompetenz, Aussehen, soziales Ansehen), das dem Täter fehlt oder wovon er glaubt, es fehle ihm
    • Verzerrte Wahrnehmung der Realität: Die Person glaubt, im Sinne der Organisation zu handeln, bzw. die Kollegen oder Kunden vor dem Gemobbten schützen zu müssen

Die Psyche des Gemobbten:

  • Mangelnde Erfahrung, möglicherweise neu im Unternehmen oder der ausgeübten Tätigkeit
    • Arbeitet evtl. schneller und besser als die etablierte Gruppennorm
    • Internale Ursachenzuschreibung: Sucht Fehler grundsätzlich oder häufig zunächst bei sich selbst
    • Unsicherheit und entsprechende Außenwirkung
    • Harmoniebedürftig und friedfertig, legt großen Wert auf soziale Anerkennung
    • Instabiles Selbstwertgefühl
    • Kann sich nicht vorstellen, dass jemand ihm Böses will
    • Vorangegangene Mobbing- oder Ausgrenzungs-Erfahrung, evtl. sogar noch in der Kindheit/Schule
    • Empfindet Hilflosigkeit, unterschätzt seine Einflussmöglichkeiten, „Schockstarre“

 

Psychologische Beratung bei Mobbing

Die psychologische Beratung wird naturgemäß nur von Mobbing-„Opfern“ aufgesucht. Meist auch erst, wenn die Handlungen schon längst in vollem Gange sind, und sich ernsthafte Probleme bei dem Gemobbten ergeben haben.
In meiner Mobbing-Beratung finden daher die folgenden Punkte besondere Berücksichtigung:

1. Zuhören, die Situation analysieren

Oft fühlen sich gemobbte Klienten sehr allein, da sie den Eindruck haben, mit niemandem mehr wirklich über das Thema reden zu können. Häufig sind die Klienten so in der Gedankenschleife gefangen, dass sie mit Familie und Freunden über nichts anderes mehr sprechen können oder aber schon derartig beeinträchtigt, dass sie sich in sich zurückziehen, in der Überzeugung, dass ihnen sowieso niemand glaubt. Demzufolge haben sich möglicherweise sogar die nahen Bezugspersonen ob der empfundenen Hilflosigkeit abgewandt.
Daher lege ich anfangs besonderen Wert darauf, einfach nur zuzuhören, dem Klienten damit zu vermitteln, dass er nicht allein ist und ihm geglaubt wird. Im Anschluss daran analysiere ich mit Hilfe des Klienten die Situation, die Beteiligten und die Rahmenbedingungen. Dieses Vorgehen dient dazu, weitere Schritte zu entwickeln und dem Klienten schrittweise wieder Selbstvertrauen zu geben, aber auch, ihn mitfühlend – unter Würdigung seines Leidens – zu begleiten.

2. Dem Klienten Hintergrundwissen und Informationen über Mobbing vermitteln:

Dieser Schritt dient dazu, es dem Klienten zu ermöglichen durch Informationen bezüglich der Mechanismen, des Mobber-Charakters und der hohen Verbreitung von Mobbing-Handlungen eine Meta-Ebene einzunehmen und einen objektiven Blick auf seine Situation zu werfen. Zum einen, entfernt er sich dadurch innerlich aus dem Leiden, zum anderen spürt er, dass er nicht allein mit einem derartigen Problem ist. Beides kann sich positiv auf die Hoffnungs- und Hilflosigkeit des Betroffenen auswirken. Weiterhin kann eine derartige Aufklärung das Schulderleben des Klienten reduzieren.

3. Wiederaufbau und Stabilisierung

Der Klient ist nun bald in der Lage sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes zu er-mächtigen. Durch selbstbewussteres – weil informiertes – Auftreten und den nötigen inneren Abstand, lassen sich Unterschiede einführen. Sei es nur ein Nachfragen, wo er sonst „geschluckt“ hat, eine damit verbundene veränderte Körperhaltung oder eine andere Stimmlage sind die Folgen. Dies allein kann zu einer Veränderung seiner Situation beitragen.

Sollte er oder sie dennoch das Gefühl haben, dass sich seine Situation nicht verändert, kann eine Beratung auch bei einer beruflichen Veränderung helfen. Manche Klienten sind rückwirkend sogar froh über die scheinbar ausweglose Situation, da eine Kündigung sie in die Lage versetzt hat, nach neuen Wegen Ausschau zu halten, die sie sonst nicht bemerkt hätten.

 

Du steckst fest, fühlst Dich müde und ratlos? Lass uns zusammen Deinen Weg aus der Krise finden!

Manchmal reicht schon eine Sitzung um die alte Leichtigkeit wieder zu spüren.